Wir sind erst mal den üblichen Weg gegangen, den ins
Reisebüro. Da hatten wir die Auswahl zwischen 6 Hotels in der
Preiskategorie zwischen 28 Euro/Nacht/Person und 180 Euro. Die
Hotels waren schon im Prospekt grottenhässliche Klötze. In
Wirklichkeit (wir haben sie gesehen!!!) sind sie noch
hässlicher. Was man in den Prospekten nicht erfährt: vor dem
Hotel verläuft eine 8-spurige Straße, die man nicht
überqueren kann, weil in der Mitte ein Zaun ist. Rechts vom
Hotel ist eine gewaltige Baustelle und links davon eine noch
gewaltigere Baustelle. So in etwa war es bei allen Hotels, die
wir gesehen haben. Und preislich... na ja.
Eine günstige Unterkunft in Peking zu finden, ist nicht so
einfach, weil die Reisebüros einem natürlich ihre Hotels und
nicht eine Jugendherberge verkaufen wollen und im Internet wird
man auch nicht so schnell fündig. Die Suche bei Google verlief
lange erfolglos.
Suchbegriffe wie Peking / Beijing günstig / billig Hotel
brachten keine Ergebnisse. Erst als wir es in englisch versucht
haben, kamen wir der Sache näher. Entscheidend für den Erfolg
war die Verwendung der Wortkombination "Hostel"
(Jugendherberge) + cheap + Beijing. Das brachte uns auf eine
Reiseseite für Rucksacktouristen (Bootsn
All Travel) mit einer großen
Auswahl günstiger Unterkünfte in Peking (und sonst wo in der Welt).
Die Auswahl der Hostels in Peking reicht
vom Matratzenlager in einer Jugendherberge bis zum
Luxusappartement. Die Preise liegen zwischen 3 Euro/Nacht und
100 Euro/Nacht, dann hat man aber gleich ein ganzes Haus
gemietet.
Wir haben uns bei StayinBeijing.com
ein Appartement mit 2 Betten, Küche und Bad
ausgesucht. "Stay in Beijing" mietet in drei großen Wohnblöcken
Appartements an und vermietet sie tageweise an Touristen.
Ziemlich clever! Wir waren im Hepingmen Apartments untergebracht
und sehr zufrieden. Fotos vom Appartement existieren auch,
aber es sieht ziemlich unordentlich aus - deshalb stell ich sie
nicht online :-)
Hepingmen Apartments
außen
Unser Eingang
Vorteil
eines Appartements
Die Wohnanlage sieht zwar nicht so ansprechend aus, war für uns
aber optimal. Wir waren mitten unter den Chinesen und nicht im
Hotel unter Touristen. Und wir
hatten eine Wohnung für uns, konnten tun und lassen, was wir
wollten, kommen und gehen wann wir wollte. Hatten eine Küche mit Herd, Geschirr und
Kühl-/Eisschrank, Fernseher (es gibt sogar einen englischen
TV-Kanal) und vor allen Dingen: wir hatten eine
Waschmaschine. Die kannte zwar nur 30° Wäsche, aber
immerhin... Also wir waren begeistert, und würden jederzeit
wieder ein Appartement mieten, statt ins Hotel zu gehen.
Der Preis betrug etwa 11 Euro pro Person und Nacht. Bei dem
Reiseportal musste man eine Buchungsgebühr (etwa 30 Euro)
bezahlen, damit war das Appartement gebucht. Den Preis für die
Übernachtung haben wir dann erst Vorort in Peking beglichen.
Allerdings mussten wir gleich die volle Summe hinlegen. Wir
hatten ausreichend chinesische Yuan dabei, sonst hätten wir an einem Geldautomaten
im Flughafen Geld abgehoben. Das
ist sowieso sinnvoll, will man nicht ohne Bargeld unterwegs
sein, zumal auch der Taxifahrer
bezahlt werden muss.
Our Housemaid
Ziemlich lustig war die Ankunft im Hepingmen. Der (bestellte)
Taxifahrer, der uns vom Flughafen abgeholt hat, rief während
der Fahrt an und sagte Bescheid, dass wir gleich kommen. Vor dem Haus
wartete unser "Housemaid" auf uns, um uns in die
Wohnung zu lassen. Wäre sonst auch ziemlich schwer gewesen,
die richtige Wohnung zu finden. Mit dem Aufzug ging es
raketenmäßig schnell in die 11. Etage, dann Tür
auf und rein. Das war also unser Appartement! Was total irritierend war:
das Mädel (ca. 35-40 Jahre) zog sich die Schuhe
aus und hatte neben der Tür ein paar Badeschlappen stehen, in
die sie schlüpfte. Dann hatten wir ein kommunikatives
Problem: sie sprach kein Englisch. Sie sagte etwas von Cin, der
Managerin, mit der wir im Vorfeld per Mail alles klar gemacht
hatten. Aber wir wussten nicht, was sie sagte. Ob Cin gleich
kommt, ob wir sie anrufen sollen, oder ob sie nicht kommt...
Puh!
Also saßen wir drei alle auf dem Bett, lächelten uns gequält
an und harrten der Dinge. Gott sei dank kam dann Cin und wir
hatten einen englischsprachigen Menschen unter uns. Mit ihr
haben wir dann auch ausgemacht, dass unser Housemaid nur alle 2
Tage kommen muss, um die Wohnung ein bisschen durchzuwischen.
Innenhof
Unser Hauseingang von
oben
10 Tage unter Chinesen
Unser Wohnkomplex gehörte ohne Frage zu den besseren Anlagen in
Peking. Da es während unserer 10 Tage im Mai sehr
heiß war, hatten alle die Fenster auf. So durften wir intensiv am
chinesischen Leben teil haben. In der einen Wohnung wohnte z.B.
ein Musiklehrer. Nachmittags kamen die Schüler und übten Geige
oder Klavier (hörte sich je nach Schüler meist gut an) aber gelegentlich kamen auch Mädels, die ihre Nachtigallenstimme
trainieren wollten. Das war ehrlich gesagt schrecklich. Die
Chinesen haben eine andere Tonleiter als wir, aber was die Mädels
da zusammen gejault haben, das war auch für chinesische
Verhältnisse völlig daneben.
Eines Nachmittags, als ein männlicher Gesangsschüler da war (der
recht manierlich sang). hat anscheinend jemand Beschwerde
eingelegt, denn unten im Hof erschallte ein Megaphon durch das ein
paar unfreundliche Worte gebrüllt wurden. Etwas in der Art wie: "Ruhe! Mach das Fenster zu" war. Danach war
jedenfalls Ruhe.
Am späten Nachmittag spielen die Kinder im Hof Fußball, dann ist Action angesagt, an der der ganze Komplex
geräuschmäßig teilhaben darf. Die Kinder
kommen relativ spät von der Schule heim und haben dann noch 1-2
Stunden, bevor sie zum Abendbrot und in die Kiste müssen.
Vormittags saßen die Rentner mit ihren kleinen Enkelkindern im
Hof und brachten ihnen das Laufen bei. Oder es wurde Tai Chi
geübt, mit dem Diavolo gezaubert oder auch Federball gespielt.
Eines Nachmittags, als wir im Hof eintrafen, stand mitten im Hof ein kleines Mädchen,
vielleicht 8- 9 Jahre alt, und spielte Geige. Und zwar ziemlich gut.
Etwa 10 Meter weiter hatte die Hepingmen Hupfdohlen Truppe gerade
eine Probe und machte Aerobic zu einem Lied made in Germany:
Dsching, Dsching, Dschingis
Khan... Der Text war in chinesisch, aber den Refrain
konnte wir problemlos mitsingen.
Innenhof, gegen Mittag
meist leer
Der Diavolo-Mann
Damit
unsere Wohnanlage nicht von Händlern oder gar Bettlern
heimgesucht wird, von Dieben und Gaunern gar nicht erst zu
reden, stehen vor den verschiedenen Eingängen
Wachtposten. Die meisten der armen Jungs stehen den ganzen Tag nur
stumm und unbeweglich auf der Stelle. Ab und zu laufen sie mal
ein paar Schritte hin und her. Einer war ein bisschen
aufgetauter und hatte nach drei Tagen den Mut, zu
fragen, wo wir herkommen. So richtig gut kannte er sich
nicht aus, aber wo Europe ist, konnte er sich so ungefähr
vorstellen.
Robbe am Shagpoint
Praktisch
an der Wohnanlage war, dass man nie lange nach einem Taxi suchen
musste. Sobald man auf die Straße tritt, kommt in spätestens
1-2 Minuten ein Taxi vorbei. Meist stehen sie sogar schon da und
warten.
Auch sehr praktisch war der Obst und Gemüsehändler mit seinem
Karren, der Abends immer vor dem Eingang stand.
In den Hof durfte er natürlich nicht rein! Wir haben reihum alle
möglichen unbekannten Früchte durchprobiert. In China gibt es
allein tausend verschiedene Sorten Melonen in allen Größen von
Pflaumengroß bis Wasserball. Eine heißt z.B. Toyota, aber die
war nicht so spektakulär. Geschmacklich ist zwischen vielen
Sorten kein großer Unterschied festzustellen, obwohl sie
optisch unterschiedlich wie Tag und Nacht aussehen. Am besten waren auf alle Fälle
die Wassermelonen, damit hätten wir uns bewerfen können...